Jesus der Christus "ist der einmalige und bleibende Grund, der uns das, was Menschsein von Gott her ist und sein soll im Glauben erst erschließt und ermöglicht."

Walter Kasper

Ikonographie des lehrenden Christus auf dem Himmelsthron, verherrlicht


Das Bild C. a. K. steht neben dem des Guten Hirten und des Lehrers; Pastor bonus und lehrender Christus geraten dabei immer mehr unter den Einfluß der Königsidee. Großartigste Gestaltung gewinnt der königliche Pastor bonus in der Grabkapelle der Galla Placidia zu Ravenna (um 450; [5] S. 28). Christus, ausgezeichnet mit dem Nimbus, sitzt inmitten der Schafherde, die linke Hand auf das Kreuz gestützt, um die Schultern den Purpurmantel. Allein der Purpurmantel, der nur dem Kaiser zustand, beweist die Königswürde. Auch der scheibenförmige Nimbus kommt nur dem Kaiser und Christus zu. Der Nimbus hatte im 4. Jh. das alte Herrschaftssymbol des Strahlenkranzes abgelöst, wie das Christus jetzt beigelegte Epitheton victor das heidnische invictus von Sol invictus. Die Übernahme eines anderen Herrschaftssymbols, das gleich dem Nimbus und der Weltkugel Weltherrschaft bedeutet und aus dem gleichen Kreis stammt, nämlich des Gestus der erhobenen Hand, erfolgt dagegen ohne Bedenken [4, S. 99]. Darstellungen der Gesetzesübergabe an Petrus charakterisieren den C.K. der Frühzeit immer am eindeutigsten. Hier übt der Herrscher sein königliches Recht (βασιλικός νόμος) aus. In einem Nischenmosaik von S. Costanza steht Christus auf einer Wolkenbank, ausgestattet mit dem Nimbus, die Rechte wie ein Herrscher erhoben. Die Szene wirkt „wie die Abschiedsaudienz eines hohen kaiserlichen Beamten“ ([4] S. 100; Wulff, Hd. d.Kw. II, S. 324, Abb. 298). Die Gesetzesübergabe an Petrus, auf ravennatischen Sarkophagen häufiger auch an Paulus, kehrt auf zahlreichen Sarkophagen und Denkmälern der Kleinkunst wieder (Beispiele s. Wulff, Reg. S. 624 „Traditio legis“).


1.

Johannes, der Evangelist, nennt Christus: deum de deo, regem de rege, dominum de domino (Hilar. de synod. 29, Migne P. L. 10, 502).

Christus ist hier nicht mehr der philosophische Lehrer der Frühzeit, sondern der königlich thronende im Verhältnis zur Welt, dem "alle Macht" über die Menschen gegeben ist - aber bleibend als gütig, das Maß der gerechtmachenden Gerechtigkeit weisende Himmelskönig.

Auch in der Gabe des Richters bleibt er Lehrer - im Geist der Weisheit.

Er ist Deum de deo. Die so bezeichnete Identitätsstruktur weist den Christus als den die Verbindung von Gott und Gott im maßgeblich orientierten Geist menschlicher Gemeinschaft für uns Tragenden aus. 

Das Konzil von Nicäa lehrte die Gleichwesenheit des Sohnes mit dem Vater, und entsprach so für die im Neuen Testament eröffnete Gotteserkenntnis der Übergabe aller Macht in der Bestimmung der Menschen.

2.

Majestas Domini bezeichnet die Darstellung des thronenden Christus in der Mandorla, häufig umgeben von Evangelistensymbolen oder anbetenden Aposteln oder Engeln. Biblische Grundlage ist die Vision Gottes durch die Propheten Jesaja (vgl. Jes 6,1-4) und Ezechiel:

"Auf dem, was einem Thron glich, saß eine Gestalt, die wie ein Mensch aussah. Oberhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie glänzendes Gold in einem Feuerkranz. Unterhalb von dem, was wie seine Hüften aussah, sah ich etwas wie Feuer und ringsum einen hellen Schein. Wie der Anblick des Regenbogens, der sich an einem Regentag in den Wolken zeigt, so war der helle Schein ringsum. So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus." (Ez 1, 26-28)

Auch die Geheime Offenbarung und Jesaja (vgl. Jes 66,1: "Der Himmel ist mein Stuhl und die Erde meine Fußbank") verweisen auf die Majestas Christi. Die Symbolik wird verstehbar, wenn man sich die Vorstellung der Antike über das Weltall vor Augen führt: Um die Erde wölbt sich das Firmament. Christus wird sitzend dargestellt, auf dem Regenbogen auf jeden Fall über dem Himmelgewölbe. Seine Füße ruhen auf dem Regenbogen, der die Selbstbindung Gottes im Noahbund symbolisiert und den Weltkreis überformt.